Die Enkel des 20. Juli 1944

Felicitas von Aretin

Dittrich Verlag (Neuauflage des bei Faber&Faber erschienen Buchs von 2004), Juli 2021

388 Seiten

Erweiterte Taschenbuchauflage

16 €

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Die Spirale des Schweigens:

In meiner Familie wurde viel über das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 diskutiert – aber wenig über die Auswirkungen gesprochen.

Mein Großvater Erwein von Aretin schrieb als Redakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“ früh gegen Hitler an und wurde im März 1933 im KZ Dachau interniert. Mein anderer Großvater, Henning von Tresckow, organisierte als Generalmajor mit Claus Graf von Stauffenberg den militärischen Widerstand – und starb am 21. Juli durch Suizid. Die Nationalsozialisten rächten sich an den Nachkommen: Meine Großmutter Erika von Tresckow kam ins Gefängnis, meine Mutter und ihre Schwester unter falschen Namen ins Kinderheim. Was danach geschah, darüber erzählten meine Eltern wenig.

Während sich Literatur und Sachbücher in den achtziger und neunziger Jahren intensiv mit den Folgen des Nationalsozialismus auf Nachkommen beschäftigten, blieb das in Widerstandsfamilien oft Tabu. 2003 beschloss ich, andere Enkelinnen und Enkel über ihre familiären Erfahrungen zu interviewen. Viele erlebten dieselbe „Spirale des Schweigens“ wie ich – herausgekommen sind berührende Gespräche. Sie flossen in mein 2004 erstmals veröffentlichtes Buch ein.

Um das familiäre Tabu zu verstehen, beschäftigte ich mich mit dem schwierigen Umgang mit diesem Datum in der Bundesrepublik und der DDR – bis heute wird das Hitler-Attentat instrumentalisiert – auch von der AfD.

Mir ist es ein Herzensanliegen, in Zeiten wachsenden Extremismus an den Mut zu erinnern, den es kostet, gegen Unmenschlichkeit und Brutalität die Stimme zu erheben. Nur so lässt sich unsere Demokratie stützen.

Wer vorkommt
Die Ethnologin Beatrix Heintze und der Leipziger Unternehmer Walter Cramer
Die Krankengymnastin Constanze Kuntze und der Gewerkschaftler Hermann Maaß
Der italienische EU-Diplomat Corrado Pirzio-Biroli und der Botschafter Ulrich v. Hassell
Die Psychoanalytikerin Maria-Theresia Rupf-Bolz und Staatspräsident Eugen Bolz
Der Tontechniker David Heinemann und der Sozialdemokrat Julius Leber
Der Journalist Jens Jessen und der Volkswirt Jens Peter Jessen
Der Filmemacher Clemens Schaeffer und Oberstleutnant Carl-Ernst Rahtgens
Der Tontechniker Christian Lindemann und General Friedrich Lindemann
Der Jura-Professor Hermann Pünder und der CDU-Mitbegründer Hermann Pünder
Die Bildhauerin Alexandra Hendrikoff und Oberstleutnant Cäsar v. Hofacker