Wenn Leidenschaft zum Beruf wird
Wenn Du etwas richtig gerne machst, hörst Du nicht auf damit und bist irgendwann Unternehmerin
sagt die britisch-deutsche Modedesignerin Beatrice von Tresckow.
Dieser Satz verbindet die Frauen, die ich porträtiere. Sie alle eint die Freude an ihrem Handwerk und der Wille, ihre Visionen trotz aller Hindernisse zu verwirklichen. Krisen, Rückschläge oder gesellschaftliche Vorurteile haben sie nicht davon abgehalten, Verantwortung zu übernehmen und Neues zu wagen.
Viele von ihnen mussten sich ihren Platz in Branchen erkämpfen, die lange als Männerdomänen galten. Gerade im Genussbereich haben Unternehmerinnen in den vergangenen Jahrzehnten entscheidende Impulse gesetzt – sei es in der Gastronomie, im Weinbau, in der Lebensmittelherstellung oder im Feinkosthandel.

Frauen, die Branchen veränderten
Die Unternehmerinnen, deren Lebenswege ich begleite, könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Puppenmacherin Käthe Kruse schuf Spielzeug, das bis heute Generationen begeistert. Pauline Zimmerli revolutionierte mit der Einführung der Zweinadel-Strickmaschine die Herstellung hochwertiger Unterwäsche in der Schweiz. Luise Händlmaier machte aus einer Metzgerei eine der bekanntesten Marken für süßen Senf.
Andere stehen für modernes Unternehmertum. Winzerin Juliane Eller verbindet Tradition mit innovativem Weinbau. Sophie Schweisfurth entwickelt die Herrmannsdorfer Landwerkstätten weiter und setzt auf nachhaltige Landwirtschaft. Isabel Zapf zeigt mit ihrem Müsli-Unternehmen, dass regionale Lebensmittel und zeitgemäße Ernährung erfolgreich zusammengehören.
Ob Gewürze, Schmuck, Mode, Naturkosmetik, Feinkost oder Spitzenhotellerie – jede dieser Frauen beweist auf ihre Weise, dass Unternehmertum weit mehr bedeutet als wirtschaftlichen Erfolg. Es geht darum, Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Genussbereich wird weiblicher
Lange Zeit bestimmten Männer die Welt der Feinkost, der Spitzenküche oder des Weinbaus. Heute prägen immer mehr Unternehmerinnen diese Branchen mit ihren eigenen Vorstellungen.
Sie legen Wert auf hochwertige Rohstoffe, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften. Viele führen Familienunternehmen in neuer Generation weiter, andere gründen erfolgreiche Manufakturen oder entwickeln völlig neue Geschäftsmodelle. Genuss und Verantwortung gehören für sie selbstverständlich zusammen.
Gerade deshalb sind ihre Unternehmen häufig weit mehr als wirtschaftliche Betriebe. Sie erzählen Geschichten von Herkunft, Handwerk und Persönlichkeit.
Auf den Spuren besonderer Lebensgeschichten
Die Beschäftigung mit Unternehmerinnen begleitet mich seit vielen Jahren. Während der Recherchen für mein Buch Mit Wagemut und Wissensdurst begegnete mir zunächst die Stahlunternehmerin Käte Ahlmann. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie dessen Unternehmen und baute es zum größten norddeutschen Stahlbetrieb aus.
Doch sie dachte über das eigene Unternehmen hinaus. Mit der Gründung des zunächst belächelten Verbandes deutscher Unternehmerinnen schuf sie ein Netzwerk, das bis heute Frauen in der Wirtschaft stärkt. Ihre Geschichte weckte meine Neugier auf weitere außergewöhnliche Unternehmerinnen.
Je tiefer ich recherchierte, desto faszinierender wurden die Lebenswege. Hinter bekannten Marken verbargen sich oft Frauen, deren Leistungen kaum noch bekannt waren – obwohl sie ganze Branchen geprägt haben.
Begegnungen mit Unternehmerinnen von heute
Viele Geschichten entstanden nicht nur in Archiven, sondern auch im persönlichen Gespräch.
In Wien besuchte ich die Geigenbaumeisterin Julia Pasch in ihrer Werkstatt im ehemaligen Kompositionshaus Richard Wagners. Zwischen Hobelbank und Klangholz erzählte sie von einem Handwerk, das höchste Präzision und jahrzehntelange Erfahrung verlangt.
In Hamburg traf ich Viola Fuchs, die die Leidenschaft ihrer Familie für Gewürze weiterführt. Heute entstehen in ihrer Manufaktur hochwertige Gewürzmischungen in sorgfältiger Handarbeit – inspiriert von internationalen Aromen und traditionellen Rezepturen.
In München begegnete ich der Schmuckdesignerin Tamara Comolli, deren Entwürfe weltweit getragen werden. Ihre Kollektionen entstehen aus der Begeisterung für Wasser, Natur und Reisen und verbinden Eleganz mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit.
Jede Begegnung eröffnete einen neuen Blick auf Unternehmertum – geprägt von Kreativität, Ausdauer und dem Mut, den eigenen Weg konsequent zu gehen.
Mut macht Zukunft
Die porträtierten Unternehmerinnen verbindet mehr als ihr beruflicher Erfolg. Sie übernehmen Verantwortung, entwickeln neue Ideen und inspirieren andere Frauen, selbst unternehmerisch tätig zu werden.
Ihre Geschichten zeigen, dass Innovation häufig dort entsteht, wo Menschen ihren Überzeugungen treu bleiben. Sie erinnern daran, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliches Engagement kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken können.
Ob traditionsreiches Familienunternehmen oder junges Start-up – diese Frauen beweisen, dass Unternehmertum viele Gesichter hat. Gemeinsam erzählen sie ein Kapitel deutscher und europäischer Wirtschaftsgeschichte, das lange zu wenig Beachtung fand und heute aktueller ist denn je.
