Kloster Reute: Ein spiritueller Ort des Wandels

Der Friedhof des Kloster Reute

Das Kloster Reute geht auf die Mystikerin Elisabeth Achler („Gute Beth“) zurück, die 1403 mit vier Frauen eine Klause gründete und sich den Armen widmete. Ihr Grab und der Klosterbrunnen sind bis heute bedeutende Pilgerorte. Nach der Säkularisation entstand die Gemeinschaft der Franziskanerinnen neu und prägte über Generationen das soziale Leben der Region. Heute leben…


Die Geschichte von Kloster Reute: Von der Guten Beth bis heute

Die Wurzeln von Kloster Reute reichen bis ins Jahr 1403. Damals gründete die erst 17-jährige Webertochter Elisabeth Achler mit vier jungen Frauen eine Klause, um sich um die Armen der Region zu kümmern. Damit begann franziskanisch-klösterliches Leben auf dem Klosterberg. Die „Gute Beth“ wird bis heute als „Wundertäterin Oberschwabens“ verehrt, die in Krisen und bei Krankheiten hilft. Die Mystikerin starb mit 34 Jahren im Jahr 1420. Nach ihrem frühen Tod entwickelte sich ihr Grab zur Pilgerstätte. Bis heute kommen Menschen mit Wasserkanistern zum Brunnen von Kloster Reute, das für seine heilende Wirkung bekannt ist. Kloster Reute begeht am 25. November, dem Geburts- und Sterbetag, das „Gut-Betha-Fest“ mit einem feierlichen Wallfahrtsgottesdienst.


Die Franziskanerinnen von Reute helfen in der Not

Führung im Kloster Reute

Während der Säkularisation mussten die Schwestern fliehen, ihr Kloster wurde 1774 aufgelöst. 1848 wiederholte sich die Geschichte: Fünf junge Frauen aus Ehingen kümmerten sich um die Kranken der Stadt und siedelten sich erneut auf dem Klosterberg in Kloster Reute an. Wie schon die Gute Beth wollten die Schwestern, „Gott in der leidenden Menschheit dienen.“ Bis 1940 wächst die Gemeinschaft auf 1.786 Schwestern an, von denen 500 im Mutterhaus leben. Die übrigen Schwestern sind im Landkreis als Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Lehrerinnen tätig.


Kloster Reute heute: 140 Schwestern mit einer Vision

Heute leben rund 140 Franziskanerinnen im Kloster Reute. Das Durchschnittsalter liegt bei 78 Jahren. Den Franziskanerinnen fehlt der Nachwuchs. Viele junge Frauen möchten sich nicht dauerhaft an einen Orden binden – eine Entwicklung, die viele Gemeinschaften bedroht. Im Jahr 1999 gründen die Schwester die Stiftung St. Elisabeth, in die sie sozialen Einrichtungen und ihre Wirtschaftsbetriebe geben. So gehen Altersheime, Kindergärten und Sozialstationen in weltliche Hände weiter und können gerettet werden.

Uns Schwestern wurde 2014 deutlich: Wir brauchen eine Zukunftsvision, wie wir als alternde Gemeinschaft mit weniger Mitgliedern leben wollen. 

So die Generaloberin von Kloster Reute, Sr. Maria Hanna Löhlein, die 2016 gewählt wurde. Als gelernte Bankkauffrau weiß Sr. Maria Hanna wie sie das Mammutprojekt stemmen muss. Zur Seite steht ihr ihre weltliche Schwester: Die Architekturprofessorin Gisela Löhlein, die auf der ganzen Welt erfolgreich baut und das Kloster Reute ehrenamtlich berät.


Das Klosterbergprojekt: Einfach, offen, nah

Die Franziskanerinnen lassen sich zudem von einer Unternehmensberatung begleiten, um das Klosterbergprojekt „einfach, offen, nah“, zu realisieren. Das große Areal wird bis 2026 generalsaniert; eine „strahlende Mitte“ heißt die Gäste in einem modernen Eingangsbereich willkommen. Von Beginn an binden die Schwestern die Bevölkerung in Bürgerdialogen ein. Nicht alle Visionen lassen sich realisieren. Das Quartierprojekt scheitert 2024 an zu hohen Baukosten.

Herzstück ist das klosternahe Wohnen für Singles, Paare und Familien, die bezahlbaren Wohnraum und ein spirituelles Gemeinschaftsleben suchen, ohne ein Gelübde abzulegen. Räume, die die Schwestern von Kloster Reute künftig nicht mehr benötigen, werden zu barrierefreien Apartments umgebaut – mit einem traumhaften Alpenblick. Die Wohnungen sind schlicht gehalten – im Sinne der franziskanischen Einfachheit.

Derzeit finden Treffen mit Interessierten statt. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium fördert die Initiative von Kloster Reute mit einer Million Euro, ein aktiver Förderverein unterstützt das Kloster Reute und hilft bei der Spendenakquise. Die Mitglieder sind mit Herzblut und Leidenschaft dabei.


Der Friedhof als architektonisches Juwel von Kloster Reute

Der Friedhof des Kloster Reute
©Kloster Reute/Felix Kästle

Als ersten Meilenstein realisieren die Schwestern 2023 die Neugestaltung des Friedhofs. Die radikal schlichte Aussegnungshalle besteht aus Stampflehm. Traditionsfirmen, die alte Handwerkskünste noch beherrschen, setzen den gewagten Entwurf um. Alle Außenstellen bis hin zu den Missionsstationen in Indonesien und Brasilien schicken Lehm. Die Aussegnungshalle wurde in die Longlist der 100 herausragenden Projekte für den Preis des Deutschen Architekturmuseums 2026 aufgenommen.

Ein Labyrinth aus roten, in Handarbeit gefertigten Steinen bildet den Mittelpunkt. Jeder Stein ist einer Schwester mit deren Namen gewidmet, die zur Gemeinschaft v gehört hat oder gehört. In nächtelanger Archivarbeit werden alle Schwesternamen recherchiert. „Das Labyrinth steht für Wandlung und Neubeginn“, so Sr. Maria Hanna. Wer möchte, kann eine Steinpatenschaft für das Kloster Reute übernehmen. Das Kloster bietet regelmäßig Baustellenführungen an, bei der sich Interessierte über die Fortschritte informieren können..