Mit Wagemut und Wissensdurst
Die ersten Frauen in Universitäten und Berufen

Felicitas von Aretin

Suhrkamp/Insel, Februar 2018

208 Seiten

Gebundene Ausgabe

24,99 € (14 € Broschur)

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„Studenten gibt es hier vierzehnhundert, Damen sind wir bis jetzt nur drei.“ Das schrieb die erste ordentliche Professorin einer deutschen Hochschule, Margarete von Wrangell, zu Studienbeginn. Leicht hatten es die ersten Studentinnen nicht, die um die Jahrhundertwende in die Hörsäle vordrangen. Mediziner attestierten ihnen ein „kleines Gehirn“; der gesellschaftliche Widerstand war groß.

Auf die ersten berufstätigen Akademikerinnen stieß ich als Pressesprecherin der Max-Planck-Gesellschaft. Damals entwickelte ich ein historisches Ausstellungs-Konzept für das Berliner Harnack-Haus, das 1929 als internationaler Treffpunkt der Wissenschaftselite gegründet wurde. Bei der Recherche begegneten mir Frauen wie die Radiochemikerin Lise Meitner oder die Frauenrechtlerin Agnes von Zahn-Harnack. Was ich fand, ließ mich nicht mehr los: Ich beschäftigte mich intensiv mit diesen spannenden Frauenschicksalen und beschloss ein Buch über die ersten Apothekerinnen, Anwältinnen, Ärztinnen, Sozialpädagoginnen und Architektinnen im deutschsprachigen Raum zu schreiben.

Viele von ihnen konnten sich in den zwanziger Jahren durchsetzen: Margarete Carrière-Bellardi leitete das Harnack-Haus, Magdalena Neff führte in Ehingen als erste Frau eine Apotheke, die Schweizerin Lux Guyer entwarf Villen für die High Society, die Völkerrechtlerin Magdalene Schoch gründete den ersten Zonta-Club. Die Nationalsozialisten drängten die Frauen zurück an den Herd. Viele Jüdinnen emigrierten, wurden ermordet und nach dem Krieg lange vergessen wie die erste österreichische Romanistik-Professorin, Helene Richter, die 1942 im KZ starb.

Hundert Jahre später sind Frauen in Führungspositionen längst nicht selbstverständlich, der Gender Pay Gap Realität. Die wagemutigen Frauen meines Buches werden langsam wiederentdeckt – zu Recht: Von ihrem Mut und Durchsetzungsvermögen können wir uns heute eine Scheibe abschneiden. Mich hat ihr Selbstbewusstsein, ihre Fähigkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und die Tatkraft, neue Räume zu erobern nicht nur als Historikerin fasziniert.

Wer vorkommt:

-Helene Richter (1861-1942), österreichische Romanistik-Professorin

-Ricarda Huch (1864-1947), deutsche Schriftstellerin

-Elise Richter (1865-1943), österreichische Anglistin und Theaterkritikerin

-Maria von Linden (1869-1936), deutsche Zoologin

-Hedwig Bleuler-Waser (1869-1940), Schweizer Schriftstellerin

-Marie Baum (1874-1964), deutsche Chemikerin

-Lise Meitner (1878-1968), österreichische Radiophysikerin

-Margarete Bieber (1879-1978), deutsche Archäologin

-Elisabeth Schiemann (1881-1972), deutsche Biologin

-Elly Heuss-Knapp (1881-1952), Gründerin des Muttergenesungswerks

-Magdalena Neff (1881-1966), deutsche Apothekerin

-Margarete Carrière-Bellardi (1885-unbekannt), Leiterin des Harnack-Hauses

-Frieda Fromm-Reichmann (1889-1957), deutsche Psychoanalytikerin

-Käte Ahlmann (1890-1963), deutsche Stahlunternehmerin

-Hilde Geiringer (1893-1973), österreichische Mathematikerin

-Carola Giedion-Welcker (1893-1979), Schweizer Kunsthistorikerin

-Marietta Blau (1894-1970), österreichische Radiophysikerin

-Lux Guyer (1894-1955), Schweizer Architektin

-Edith Peritz (1897-1985), deutsche Schönheitschirurgin

-Magdalene Schoch (1897-1987), deutsche Völkerrechtlerin, Zonta-Gründerin

-Greta Caprez-Rofler (1906-1994), Schweizer Theologin, erste Pfarrerin Europas