Eine junge Ärztin mit dem Mut, neue Wege zu gehen
Edith Peritz stammt aus einer angesehenen jüdischen Ärztefamilie im schlesischen Breslau. Schon früh entscheidet sie sich für ein Medizinstudium – ein ungewöhnlicher Schritt für eine Frau ihrer Generation. Nach ihrem Studienabschluss zieht sie in das pulsierende Berlin der Goldenen Zwanziger. Die Hauptstadt ist damals ein Zentrum für Wissenschaft, Kultur und medizinischen Fortschritt.
Am Städtischen Rudolf-Virchow-Krankenhaus arbeitet Edith Peritz zunächst als Assistenzärztin. Doch sie möchte mehr, als den klassischen Weg einer Medizinerin einzuschlagen. Ihr Interesse gilt einem Fachgebiet, das damals noch mit Skepsis betrachtet wird: der plastischen Chirurgie.

Die erste Schönheitschirurgin Deutschlands
1928 reist Edith Peritz nach Paris, um sich bei der französischen Chirurgin Suzanne Noël weiterzubilden. Noël gilt als eine der Begründerinnen der modernen ästhetischen Chirurgie und inspiriert ihre deutsche Kollegin nachhaltig.
Zurück in Berlin eröffnet Edith Peritz eine eigene Praxis. Mit fachlicher Präzision und medizinischem Können baut sie sich einen hervorragenden Ruf auf. Sie gehört zu den ersten Ärztinnen Deutschlands, die plastische und ästhetische Eingriffe professionell anbieten und damit ein medizinisches Feld prägen, das sich erst langsam etabliert.
Gleichzeitig engagiert sie sich im „Bund Deutscher Ärztinnen“ und setzt sich für die beruflichen Interessen ihrer Kolleginnen ein. Für Edith Peritz gehören medizinische Exzellenz und gesellschaftliches Engagement untrennbar zusammen.
Ein Netzwerk für Frauen mit Visionen
1930 gründet Edith Peritz den ersten deutschen Soroptimistinnen-Club. Ziel des internationalen Netzwerks ist es, berufstätige Frauen miteinander zu verbinden und ihre gesellschaftliche Stellung zu stärken.
Schon bald versammeln sich außergewöhnliche Persönlichkeiten um die Medizinerin. Schauspielerin Tilla Durieux, Fotografin Lotte Jacobi, Künstlerin Annot Jacobi oder Architektin Marie Frommer gehören zu den prägenden Mitgliedern. Gemeinsam schaffen sie einen Ort des Austauschs, der weit über berufliche Fragen hinausgeht.
Edith Peritz erkennt früh, wie wichtig starke Netzwerke für Frauen sind – ein Gedanke, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Verfolgung, Exil und ein Nebeginn in New York
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endet ihre erfolgreiche Karriere in Deutschland abrupt. Als jüdische Ärztin wird Edith Peritz systematisch ausgegrenzt und entrechtet. 1936 bleibt ihr nur die Emigration.
Gemeinsam mit ihrem Mann Hans von Lojewski verlässt sie Deutschland und beginnt in New York ein neues Leben. Der Neuanfang ist nicht einfach. Doch Edith Peritz gelingt es, sich gemeinsam mit ihrer Familie und einem engen Freundeskreis eine neue Existenz aufzubauen.
Das Exil verändert sie nachhaltig. Aus der Berliner Ärztin wird eine Weltbürgerin, die den Kontakt nach Europa nie ganz verliert und ihre internationale Perspektive bewahrt.
Eine Geschichte, die fast verloren ging
Nach dem Zweiten Weltkrieg gerät Edith Peritz weitgehend in Vergessenheit. Ihre medizinischen Leistungen, ihr Einsatz für Frauen und ihr bewegtes Leben finden kaum noch Beachtung. Erst intensive Recherchen in Archiven und Bibliotheken bringen ihre Geschichte wieder ans Licht.
Gemeinsam mit Benjamin Kuntz, Leiter des Museums des Robert-Koch-Instituts, ist nun eine neue Ausgabe der Reihe Jüdische Miniaturen erschienen. Sie erzählt das außergewöhnliche Leben einer Frau, die medizinische Pionierarbeit leistete und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für Mut, Eigenständigkeit und gesellschaftliches Engagement ist. Eine Geschichte, die fast verloren ging. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerät Edith Peritz weitgehend in Vergessenheit. Ihre medizinischen Leistungen, ihr Einsatz für Frauen und ihr bewegtes Leben finden kaum noch Beachtung. Erst intensive Recherchen in Archiven und Bibliotheken bringen ihre Geschichte wieder ans Licht. Gemeinsam mit Benjamin Kuntz, Leiter des Museums des Robert-Koch-Instituts, ist nun eine neue Ausgabe der Reihe Jüdische Miniaturen erschienen. Sie erzählt das außergewöhnliche Leben einer Frau, die medizinische Pionierarbeit leistete und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für Mut, Eigenständigkeit und gesellschaftliches Engagement ist.
Die erste Schönheitschirurgin Deutschlands
Die Forschungen zu Edith Peritz sind mit dieser Veröffentlichung noch nicht abgeschlossen. Zahlreiche neu entdeckte Dokumente, Briefe und Fotografien eröffnen weitere Perspektiven auf das Schicksal einer jüdischen Familie zwischen Schlesien, Berlin, Paris, New York und Texas.
Derzeit entstehen daraus die Grundlagen für ein erzählendes Sachbuch, das weit über die Biografie einer einzelnen Ärztin hinausgeht. Es wird die Geschichte einer Familie erzählen, deren Lebensweg exemplarisch für das 20. Jahrhundert steht – geprägt von Wissenschaft, Aufbruch, Verfolgung und Neuanfang.
Mit Edith Peritz kehrt eine Frau in das historische Gedächtnis zurück, die Deutschland als Ärztin, Chirurgin und Frauenrechtlerin nachhaltig geprägt hat. Ihre Geschichte erinnert daran, wie schnell außergewöhnliche Lebensleistungen in Vergessenheit geraten können – und wie wichtig es ist, sie wieder sichtbar zu machen.

